Wunde Brustwarzen beim Stillen müssen nicht sein

Hilfreiches Stillwissen für (werdende Mütter) von einer Hebamme

Viele (werdende) Mütter leben mit der Annahme, dass wunde Brustwarzen (medizinisch: Mamillen) zum Stillbeginn ganz normal sind und mehr oder weniger zum Wochenbett dazugehören. Gleich vorweg: das stimmt nicht! Mit ein paar Tricks und guter Stillhilfe in den ersten Lebenstagen/-wochen können wunde oder schmerzende Mamillen vorgebeugt werden.

 

Brustmassage

Zu Beginn einer Stillmahlzeit saugen Babys etwas schneller an der Brust, um den Milchspendereflex auszulösen. Sobald die Milch in ausreichender Menge fließt, beginnt das Baby vermehrt zu schlucken und saugt etwas weniger häufig.

Eine kurze Brustmassage vor dem Anlegen kann den Milchfluss fördern. Dadurch muss das Baby zu Beginn oft weniger lange saugen, um den Milchspendereflex auszulösen. Die Brustwarzen werden dadurch weniger belastet.

Massiere/streiche während dem Stillen in Richtung Mamille, um den Milchfluss zu beschleunigen. So kannst du ein müdes/schwaches Baby beim Trinken unterstützen. Der Fettgehalt der Muttermilch wird durch eine Massage nachweislich gesteigert. Wärme durch einen feuchtwarmen Waschlappen oder ein warmes Kirschkernkissen auf der Brust fördert die Durchblutung des Gewebes und führt ebenfalls zu einem besseren Milchfluss.

Stillende Mama mit Baby auf Couch

Mamillenformen

Nicht jede Mamille gleicht der anderen – es gibt eine Vielzahl an Mamillen und grundsätzlich ist jede „zum Stillen geeignet“. Die gute Nachricht: Die meisten Babys können auch an flachen Brustwarzen gut trinken. Mit etwas Unterstützung gelingt das Anlegen meist problemlos.

Bei besonders flachen Mamillen oder „Schlupfwarzen“ kann es dem Baby zu Beginn etwas schwerer fallen die Brust gut zufassen und ausreichend umliegendes Gewebe in den Mund zu saugen. Mit etwas Vorbereitung kannst du die Mamillen gut vorformen und so dem Baby das Anlegen erleichtern. Es gibt einige Produkte am Markt, die zum Formen der Mamille geeignet sind, z.B. spezielle Brustschilder mit einer Aussparung, die unter dem BH getragen werden und die Mamille aufrichten. Weiters eine Art Pumpe, die mit leichtem Vakuum die Mamille vor dem Stillen aufrichtet und dem Baby somit das Anlegen erleichtert.

Aber es geht auch gut ganz ohne Hilfsmittel: mittels einer leichten Druckmassage (Reverse Pressure Softening) lässt sich im Allgemeinen auch fast jede Mamille aufrichten. Am besten lassen Sie sich diese Methode durch eine Hebamme oder Stillberaterin zeigen.

 

Korrektes Anlegen

Stillen darf nie schmerzhaft sein! Es kann zu Beginn ungewohnt sein, wenn ein Baby kräftig an der Brust saugt. Oftmals wird auch ein leichter Ansaugschmerz beschrieben. Es sollte aber niemals die ganze Stillmahlzeit hindurch schmerzhaft sein. Treten starke Schmerzen beim Stillen auf, muss das korrekte Anlegen kontrolliert werden und gegebenenfalls ein anatomisches Problem bei Mutter und/oder Baby ausgeschlossen werden.

Das Baby wird beim Stillen zur Brust (Nase des Kindes auf Höhe der Mamille) gebracht und nicht umgekehrt. Die Brust wird c-förmig umfasst und dem Baby vorgeformt. Dann mit der Mamille sanft die Lippen des Kindes streicheln, sobald es den Mund groß aufmacht (Löwenmaul) den Körper des Kindes gut heranziehen damit es möglichst viel Brustgewebe mit dem Mund fassen kann. Die Lippen des Kindes sollten deutlich ausgestülpt sein (Fischlippen) und der Bauch des Kindes ist dem Bauch der Mutter zugewandt. Ohr, Schulter und Hüfte des Babys sollten eine Linie bilden.

 

Stillpositionen

Der Bereich der Brust, an dem das Kinn des Kindes aufliegt, wird beim Stillen besonders gut entleert. Allerdings wird auch der Bereich der Mamille am stärksten beansprucht, an dem sich die Unterlippe des Kindes befindet. Wechseln Sie die Stillposition mehrmals täglich. Dadurch werden unterschiedliche Bereiche der Brust entlastet.

Vielfach wird nur in der Wiegehaltung oder in Seitenlage gestillt, aber auch der Rückengriff und die intuitive Stillhaltung sind einfach umzusetzen. Der Rückengriff ist außerdem für Mütter nach einem Kaiserschnitt besonders geeignet, da kein Druck auf die OP-Naht entsteht. Nicht nur das Baby soll es beim Stillen gemütlich haben, auch die Mama sollte bequem sitzen/liegen. Ein gutes Stillkissen oder eine feste Handtuchrolle können beim Lagern des Babys unterstützend sein. Bei den ersten Anlegeversuchen sollte jede frisch gebackene Mama vom Fachpersonal im Krankenhaus oder einer betreuenden Hebamme/Stillberaterin unterstützt werden.

 

Mamillenprobleme

Schmerzende und/oder wunde Mamillen rühren oft von einer falschen Anlegetechnik und/oder von einem anatomischen Problem (z.B. zu kurzes/straffes Zungenband, Verspannungen im Kieferbereich, etc.) her. Um das Problem zu beheben ist es vorrangig, die genaue Ursache zu ermitteln und dann z.B. das Anlegen an der Brust zu verbessern.

Sind die Mamillen auch entzündet, sollten sie regelmäßig mit Kochsalzlösung gereinigt werden und dann mit viel Lanolinsalbe und einer sterilen Kompresse abgedeckt werden. Ein Brustdonut kann das Ankleben des BHs an der Mamille verhindern.

In manchen Krankenhäusern wird zur Unterstützung der Wundheilung auch eine Lasertherapie angeboten. Bei wunden Mamillen ist die Unterstützung durch eine Hebamme oder Stillberaterin ist sinnvoll.

 

Zu starker "Milcheinfluss"

Spannungsgefühl oder Schwellung der Brüste während des Milcheinschusses (Initiale Brustdrüsenschwellung, IBDS) ist nicht ungewöhnlich. Manchmal treten diese Symptome jedoch so heftig auf, dass sie als sehr schmerzhaft und auch als störend beim Stillen empfunden werden. Zur Linderung können Sie vor dem Stillen/Ausstreichen der Brust eine Lymphmassage und nach dem Entleeren der Brust eine kühle Auflage (Topen, Kraut, Coolpack) anwenden. In sehr ausgeprägten Fällen kann eine Ibuprofen-Einnahme sinnvoll sein. Meistens sind die Beschwerden binnen 12-24 Stunden verschwunden. Während dieser Zeit tun sich Babys manchmal schwer damit die Mamille gut zu fassen, eine leichte Druckmassage (Reverse Pressure Softening) vor dem Anlegen kann hier hilfreich sein.

 

Zungenband

Manchmal liegt die Ursache für wunde Mamillen an einer anatomischen Besonderheit des Kindes: das zu kurze/zu straffe Zungenband. Dies führt zu einer eingeschränkten Beweglichkeit der Zunge und damit zu Schwierigkeiten beim Anlegen, häufigem Loslassen der Brust während der Stillmahlzeit, Verlust des Vakuums beim Saugen, schmerzenden/wunden Mamillen, schlechter Gewichtszunahme, häufigen Milchstaus, usw.

Wird ein relevantes Zungenband diagnostiziert und verursacht es Stillprobleme, sollte eine Durchtrennung (Frenotomie) in Betracht gezogen werden.

Abschließend sei nochmals gesagt, dass Stillen keinesfalls schmerzhaft sein darf und wunde Mamillen keineswegs zum Stillbeginn gehören. Wenn beim Stillen Schmerzen, wunde/gereizte Mamillen oder sonstige Schwierigkeiten auftreten, sollten Sie immer Hilfe durch geeignete Fachpersonen einholen.

 

 

 

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Tipp & Empfehlung von Hebamme Yvonne

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